Projektname:Lokalisieren eines Bombers aus dem 2. Weltkrieg mithilfe der Seacraft ENC2
Standort:Kieler Bucht
Datum:May 2019
Ein Artikel von:Philipp Schubert

Ein ganz normaler Montag

Es war ein normaler Trainingstauchgang an einem Montagabend im Mai May 2019. Wir führen gegen 19 Uhr mit einem kleinen Boot hinaus. um um uns mit dem Seacraft Future 750 und der ziemlich neuen elektronischen Navigationskonsole ENC2 von Seacraft vertraut zu machen. Mit der ENC2 kann man genauer navigieren und in einem gewissen Umfang sogar den Ausgangspunkt des Tauchgangs wiederfinden. Darüber hinaus lassen sich auch die während des Tauchgangs gespeicherten Wegpunkt ansteuern – was für uns später noch sehr bedeutsam werden sollte!

An diesem Tag entschieden wir uns dafür, an einer archäologischen Ausgrabungsstätte aus der Jungsteinzeit (um 5000 v. Chr.) nahe des Leuchtturms “Bülk” am Eingang der Kieler Bucht zu tauchen. Hier findet man immer hübsche Steinwerkzeuge und mit etwas Glück auch seltenere Stücke, wie Äxte, Hirschgeweihe oder sogar menschliche Überreste. Als ausgebildete Wissenschaftstaucher, die bei verschiedenen Gelegenheiten selbst an der Ausgrabung teilgenommen hatten, würden wir allerdings nichts davon mitnehmen, sondern den leitenden Archäologen über unsere Funde informieren.

Ein altes Jägerlager

Ein altes Jägerlager

Der Tauchplatz ist einfach und flach, der Grund besteht hauptsächlich aus Sand mit Seegras und Steinen, bedeckt von Rotalgen. Die Tiefe beträgt nur rund 6 m, aber vor 7000 Jahren lag hier das Sommerlager von Jägern und Sammlern an einer wunderschönen, mit Holz eingefassten Lagune voller Aale, Robben, Tümmlern und Dorsch. Dies haben uns die Funde an der Ausgrabungsstelle verraten.

In der Dämmerung machten wir uns für den Nachttauchgang bereit. Der Plan war, der Ausgrabungsstätte einen Besuch abzustatten, um zu prüfen, ob die Frühjahrsstürme neue Fundstücke freigelegt hatten. Anschließend wollten wir einfach nur Gas geben und mindetens 20 Minuten lang nach Westen fahren (dem Strandverlauf folgend), um die „Rückkehrfunktion“ der ENC2 zu testen und zu versuchen, unseren Anker trotz schlechter Sicht in der westlichen Ostsee wiederzufinden (die Sicht betrug bei diesem Tauchgang weniger als 2 m…).

Der Reifen eines Flugzeugs?

Eine kurze Suche am Ausgrabungsort führte nichts neues zu Tage (d. h. keine Fundstücke jünger als 7000 Jahre). Daher beschlossen wir, weiterzufahren und unser Schicksal in die Hände der ENC2 zu legen, um mit ihrer Hilfe unseren Anker wiederzufinden. Nach rund 5 Minuten (Abb. 1) sah ich einen seltsam aussehenden Stein mit mindestens 1 m Durchmesser und hielt an. Bei näherer Untersuchung stellte ich fest, dass es kein Stein, sondern ein großer, zerfallener Gummireifen war, in dem nun zwei große Dorsche lebten. Allerdings hatte der Reifen keinerlei Profil! Sollte dies etw der Reifen eines Flugzeugs gewesen sein?

Abb. 1: Darstellung von Geschwindigkeit und Zeit aus dem Protokoll der ENC2 unseres Tauchgangs im Mai. Der Weg bis zum Bomber (und zurück) dauerte von unserer letzten bekannten Position 4-5 Minuten. Ich erstellte zwei Wegpunkte, einem am Punkt des Erstkontakts mit dem Wrack den zweiten an der Stelle, von der wir zum Anker zurückfuhren.

Eine Geschichte aus der Vergangenheit

Dank meines Vaters, einem leidenschaftlichen Ostseetaucher und Hobby-Archäologen mit eigenem kleinen Boot, begann ich bereits im Alter von 6 Jahren mit dem Tauchen. Er erzählte mir von einem englischen Bomber, der in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs in der Nähe des Leuchtturms abgestürzt war. Er schlug in einem sehr steilen Winkel auf das Wasser auf, sodass kein Besatzungsmitglied überlebte. Mein Vater hatte diese Geschichte wiederum von einem Augenzeugen an Bord eines Flüchtlichsschiffs aus Ostpreußen gehört, der ein Arbeitskollege in der Feuerwache war, in der er sein Leben lang gearbeitet hatte. Es war sein Traum, diesen Bomber zu finden – vielleicht um zu sehen, ob die Geschichte stimmte. In den 1980er und 1990er Jahren haben wir mehrmals versucht, den Bomber zu finden. Dazu haben wir uns damals von seinem kleinen Boot ziehen lassen, allerdings ohne das Flugzeug jemals zu Gesicht zu bekommen.

Als ich während unseres Tauchgangs das Gebiet um uns herum absuchte, wurde mir schnell klar, dass es sich um den lange gesuchten Bomber handeln musste: Ich fand jede Menge Kabel, Aluminium, den zweiten Reifen, zwei Motorblöcke (keine Sternmotoren, wie bei einigen amerikanischen Flugzeugenm, sondern Reihenmotoren), einen Kühler und (verteilt über den gesamten Bereich) Tausende Patronen. Die Monution war zu groß für Handfeuerwaffen und musste daher für schwere Maschinengewehre hergestellt worden sein.

 

Und der Rückweg?

Und der Rückweg?

OK, anscheinend hatte ich also den Bomber gefunden, nach dem mein Vater jahrzehntelang gesucht hatte – und ich hatte nicht einmal eine Kamera dabei! Wie sollte ich diesen Ort jemals wiederfinden? Zur Erinnerung: Es war bereits dunkel, und ich hatte weder eine Boje, noch ein GBS-Gerät dabei, und mein Boot war zu weit weg… Zumindest hatte ich die ENC2 am Scooter. So beschloss ich, auf die interpolierte Positionsbestimmung zu vertrauen und machte mich nach einem letzten Blick zurück auf dem Weg zum Boot.

In den kommenden Monaten sollten sich andere Projekte als wichtiger und dringender erweisen, sodass sich mir nur eine weitere Gelegenheit bot, den Bomber im August des gleichen Jahres wiederzufinden. Dieses Mal nahm ich allerdings meinen Vater mit! Auch mit 72 Jahren taucht er noch – wenn auch nicht mehr so oft. Dies sollte sein erster Tauchgang in diesem Jahr werden, und er war sehr aufgeregt – hauptsächlich aber wegen dem, was er nun zum ersten Mal mit eigenen Augen sehen sollte. Ich hatte die Protokolldatei der ENC2 ausgelesen, auf meinen Computer übertragen und einen Ankerpunkt an der Position der bekannten Ausgrabungsstätte gesetzt. Ich folgte der angezeigten Scooter-Route, schätzte die Position des Bombers, gab diese in den GPS-Plotter meines Bootes ein und hoffte, dass dies für die nach wie vor weniger als drei Meter Sicht genau genug sein würde.

 

Abb. 4: Teil eines Kühlers und Motorblock (links). Foto von Christian Howe.

Gefunden

Gefunden

An der geschätzten Position des großen Reifens warfen wir den Anker… und verfehlten den Reifen nur um gute 5 m! Die ENC2 hatte also funktioniert, und obwohl ich zu Beginn des Mai-Tauchgangs vergessen hatte, die Ermittlung der GPS-Position abzuwarten, hatte ich den Bomber wiedergefunden. Mein Vater war auf jeden Fall sehr zufrieden mit meiner Navigation.

Seit diesem Tag haben wir das Wrack einige Male betaucht und untersucht. Wir konnten bestätigen, dass das Flugzeug in einem steilen Winkel auf dem Grund aufgeschlagen war und dass es sich um eine viermotorige „Fliegende Festung“ gehandelt hatte, wahrscheinlich eine Handley Page HALIFAX Mk II (Abb. 2) oder eine AVRO 683 LANCASTER, beide mit sieben Mann Besatzung. Die Maschine verfügte über 8-9 Maschinengewehre, wass die große Menge an gefundener Munition erklärte (Abb. 3).

 

Abb. 2: Ein HALIFAX II-Bomber während des zweiten Weltkriegs. Zu beachten sind die vier Reihenmotoren. Quelle: http://www.raf.mod.uk

Nicht alle Geheimnisse wurden gelüftet

Nicht alle Geheimnisse wurden gelüftet

Nach wie vor konnten wir nicht alle Rätsel lösen. Wir haben beispielsweise keine menschlichen Überreste gefunden, was jedoch daran liegen könnte, das bisher keine echte (finanzierte) Ausgrabung stattgefunden hat. Außerdem scheinen bereits zwei Motoren geborgen worden zu sein. Möglicherweise waren es Plünderer, denn wir fanden an einem Motor moderne Seile und Karabiner. Außerdem wissen wir bis heute nicht. welches Flugzeug tatsächlich dirt unten liegt, da wir bisher keine Seriennummern finden konnten. Die Behörden (in diesem Fall das Deutsche Archäologische Institut) wussten bereits um die Existenz und die Position des Flugzeugs, gaben dieses Wissen jedoch erst auf meine direkte Anfrage zu Wrack preis.

 

Abb. 3: Eine von Tausenden Patronen, die am Fundort des Wracks verteilt sind.

Mit der ENC aufgezeichnete Route ENC2

Nach dem Hochladen des Tauchgangsprotokolls in die Seacraft-App und dem Export als .kml-Datei, um die Daten z. b. in Google Earth darstellen zu können.

 

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ENC2 -  ein stiller Tauchpartner

Für mich wäre es unter den gegebenen Umständen ohne Seacraft-Scooter und vor allem ohne ENC2 sehr schwer gewesen, diesen Fund zu machen (und die Position wiederzufinden). Siet diesem Ereignis ist die ENC mein ständiger Begleiter, wenn ich mit dem Scooter unterwegs bin…

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